Archiv für Juli 2010

Forderungen und Hintegründe

für den Erhalt der Kinder- und Jugend(sozial)arbeit in Berlin

am 24.09.2010

Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Kindern und Jugendlichen. Im Gegensatz zum primären Ziel der Wissensvermittlung in der Schule geht es innerhalb der Jugend(sozial)arbeit um emotionale und soziale Bildung, um Sport, Gesundheit und Technik, um politische Bildung, Demokratie, Toleranz und Mitbestimmung, um Kultur, Musik und Tanz. Und diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig.
Jugend(sozial)arbeit begleitet und leitet Kinder und Jugendliche beim Hineinwachsen in diese Gesellschaft, baut Brücken über Hindernisse und versucht zu korrigieren, wenn etwas schief läuft. Sie schafft Erlebnisse, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich selbst und Ihre Umwelt zu entdecken, zu erkunden und zu begreifen. Da geht es um Umwelt und Naturschutz, um Arbeitsweltorientierung und die Erkenntnis eigener Fähigkeiten und Möglichkeiten. Jugendarbeit steht allen Kindern und Jugendlichen offen, sie grenzt nicht aus, zwingt aber auch zu nichts. Sie baut auf eine Beziehung zwischen JugendarbeiterInnen und dem Kind / dem Jugendlichen. Sie wirkt gerade deswegen präventiv, denn hier erleben Kinder und Jugendliche Erwachsene als Auseinandersetzungsprofile, gegenüber denen sie nicht per se zu etwas verpflichtet sind wie gegenüber ihren Eltern oder Lehrern.

Jugendarbeit ist die niedrigste und preisgünstigste, deshalb aber keine untergeordnete Stufe des Jugendhilfesystems. Denn die Aufgabe der Jugendarbeit ist es, kind- und jugendliches Verhalten vor dem Notwendigwerden spezifischerer und teurerer Hilfestellung zu korrigieren. Sie wirkt präventiv. Sie bietet Alternativen und Trainingsräume, um Alkohl- und Drogenkonsum, extremistischem Verhalten, Gewalttätigkeit und Kriminalität entgegenzuwirken.

Finanziell geht es der Jugend(sozial)arbeit in Berlin und anderswo allerdings immer schlechter. Im Gegensatz zu weiterführenden Hilfen, die erst greifen, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen“ ist, ist die präventive Jugendförderung nicht einklagbar und deshalb vom Staat nur „im Rahmen zur Verfügung stehender Haushaltsmittel“ zu finanzieren. So kommt es, dass mit zunehmenden verpflichtend zu leistenden Hilfen (HzE – Hilfen zur Erziehung) das übrigbleibende Geld für Präventionsmaßnahmen immer knapper wird. Doch je weniger vorgebeugt wird, desto häufiger werden teure Hilfen zur Erziehung notwendig, was den Haushalt im Weiteren belastet.
Seit den frühen 90-er Jahren werden in der Jugendarbeit Stellen gekürzt, Personal schlechter bezahlt, notwendige Projekte und Ferienfahrten nicht mehr umgesetzt, ganze Jugendfreizeiteinrichtungen geschlossen. Und 2011 sind weitere Kürzungen zu erwarten, wobei gleichzeitig Kosten und Umfang für HzE-Maßnahmen immer deutlicher ansteigen.
Hier wird nicht „gespart“, sondern in der Jugendförderung (korrekt ausgedrückt) „gekürzt“ mit der Folge, dass im nächsten Haushaltsjahr bei den Hilfen zur Erziehung noch mehr ausgegeben werden muss. Sinnvoll ist das nicht und „nachhaltig“ erst recht nicht. Will Berlin „sparen“, sollte die Politik das wenige zur Verfügung stehende Geld wenigstens sinnvoll einsetzen.

Wir fordern und demonstrieren deshalb am 24.09.2010

für
den Erhalt der aktuell bestehenden Einrichtungen der Jugendarbeit
die Entkoppelung der bereitgestellten Finanzmittel für HzE und Jugendförderung
die Erarbeitung einer Rahmenkonzeption Kinder- und Jugend(sozial)arbeit auf Senatsebene
eine bedarfsgerechte und auskömmliche Finanzierung der Projekte und Einrichtungen der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit
eine Entlohnung der MitarbeiterInnen nach den tariflichen Bedingungen des öffentlichen Dienstes
die Laufzeitverlängerung der Leistungsverträge auf 5 Jahre